Dienstag, 10 September 2019

Wie ein Salamander, der zum Vogel Strauß wird – Erkenntnisse eines Marathon-Man

Wie ein Salamander, der zum Vogel Strauß wird – Erkenntnisse eines Marathon-Man

Der heute 70jährige Haruki Murakami ist der hierzulande wohl bekannteste, populärste und einflussreichste Schriftsteller Japans, Literaturprofessor, vielfach ausgezeichnet und in 40 Sprachen übersetzt … und er ist Triathlet. Als Marathonläufer, sagt er, sammele er literarische Kraft. In seinem autobiographischen Buch „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“ (btb-verlag 9,00 €), legt er nicht nur Zeugnis ab vom der allmählichen Annäherung an die Langstrecke, an den Marathon, sondern berichtet auch von seinen Anstrengungen, einen Triathlon zu absolvieren.

Es handelt sich um den Triathlon von Murakami in der Präfektur Niigata, der jedes Jahr Anfang Oktober ausgetragen wird und dessen Namensgleichheit mit dem berühmten Schriftsteller rein zufällig ist. Haruki startet über die olympische Distanz, also 1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren und 10 km Laufen. Wie bei vielen, die von der Langlaufstrecke kommen, ist der Schwimmwettbewerb auch für den Autor die schlimmste oder sagen wir: herausforderndste Disziplin.

Und das Umschalten von einer Sportart in die andere, etwa nach dem Schwimmen aufs Rad: „Die Schwerkraft, die Geschwindigkeit, die Reaktionen, alles unterscheidet sich, auch die Muskeln, die man beansprucht, sind andere. Man fühlt sich wie ein Salamander, der plötzlich zum Strauß geworden ist. Weder mein Gehirn noch mein Körper schaffen es, so schnell umzuschalten.“ Oder vom Rad zum Lauf: „Die Muskeln, die ich beim Radrennen über eine Stunde stark beansprucht habe und die jetzt beim Laufen weiter ihren Dienst versehen sollen, bewegen sich nicht mehr geschmeidig. Sie brauchen Zeit, um sich von einer Technik auf die andere umzustellen. Die ersten drei Kilometer sind sie steif, dann kann ich endlich laufen.“

Interessant scheint mir auch die Erkenntnis (von Murakami), das Schmerz im Grunde die Voraussetzung sei, an einem Triathlon teilzunehmen: „Wir wollen den Schmerz überwinden, das Gefühl haben, am Leben zu sein, oder zumindest teilweise herausfinden, was das heißt. Die Qualität des Lebens basiert nicht auf Vorgaben wie Zeit, Zahl oder Rang, sondern wird am Ende (wenn alles gut geht) im Erwachen eines Bewusstseins für den flüssigen Ablauf des Handelns an sich erreicht.“ Eine wunderbare Lektüre für alle, die ihr eigenes Leistungsvermögen nicht nur unter Beweis stellen und spüren wollen, sondern auch Spaß daran haben könnten es zu verstehen.

 

DTU Presse

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