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Sonntag, 01 Dezember 2019

Du läufst im Zelt und die Kollegen sitzen im Pool

Foto: Jörg Schüler

29.11.2019 09:40 von Thorsten Eisenhofer | Foto: Jörg Schüler.

Jonas Schomburg (Langenhagen) hat dieses Jahr einen großen Entwicklungsschritt gemacht und ist in der Weltspitze angekommen. Im Interview spricht der 25-Jährige über Laufeinheiten im Sommer in aufgeheizten Zelten, eine Top-3-Platzierung bei den Olympischen Spielen in Tokio und misslungene Tricks beim Surfen.

Jonas, du gehörst zu denjenigen, die immer gerne das Angebot, einen Kaffee zu trinken, annehmen, wenn sie in der Geschäftsstelle zu Besuch sind. Hast du selbst eine gute Kaffeemaschine?

Ja, die habe ich mir von meinem ersten Preisgeld gekauft.

Und die hast du jetzt mit in dein Trainingsdomizil nach Frankreich genommen?

Ja, die habe ich jetzt in Frankreich stehen. Meine Eltern sind ein bisschen traurig, dass die Maschine nicht mehr da ist.

Vielleicht solltest du ihnen zu Weihnachten eine schenken.

Eine kleine habe ich ihnen schon gekauft.

Du hast deine Offseason in Südafrika verbracht, wo deine Schwester lebt, und warst viel Surfen. Eine Leidenschaft?

Es ist etwas anderes und macht Spaß. Die Bedingungen in Südafrika sind zum Surfen perfekt. Ich mache das jetzt seit fast zehn Jahren, wenn auch nicht mehr so oft wie früher, weil meine Saison sehr lang geht. Mittlerweile schaffe ich es in der Regel nur noch einmal im Jahr. Ich brauche auch immer ein paar Tage, um wieder reinzukommen. Aber dann geht es.

Als wie gut würdest du dein Können beschreiben?

Ich halte mich gut und lange auf dem Brett, aber Tricks oder so kann ich nicht.

Wolltest du so etwas mal lernen?

Ich bin da mittlerweile vernünftig. Mit 16 Jahren wollte ich mal über eine Insel springen. Dass ist mir misslungen, ich bin hängengeblieben und habe mir einen Bänderriss zugezogen. So etwas würde einen viel zu langen Ausfall im Training bedeuten.

Kommen wir zum Triathlon. Du hattest eine erfolgreiche Saison.

Ich bin super zufrieden und happy mit der Entwicklung in allen Disziplinen. Bei jedem Wettkampf bin ich vorne dabei gewesen. Man sagt immer, das letzte Prozent ist am schwierigsten. Das Ziel für das kommende Jahr ist es, dieses letzte Prozent noch herauszuholen und anstatt einer Top-Ten-Platzierung auch mal auf das Treppchen zu kommen. Ich will in die absolute Weltspitze.

Hast du vor diesem Jahr gedacht, dass es so gut laufen kann?

Ich hatte Spaß am Training und habe mir nicht so die Ziele für Wettkämpfe gesetzt. Das hat gut funktioniert. Während der Saison habe ich meine Ziele dann immer wieder erhöht, weil es so gut lief. Es war meine beste Saison, vor allem, weil ich konstant gute Ergebnisse erzielt habe. Ich war ja immer vorne mit dabei.

Du hast mit Rang zehn beim olympischen Testevent in Tokio die Nominierungskriterien des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) erfüllt und deinen Olympia-Startplatz sicher, wenn du im Olympic Qualification Ranking Ende März 2020 eine Platzierung unter den ersten 35 einnimmst. Wieviel Druck nimmst es, dass du ziemlich sicher für Olympia qualifiziert bist?

Es ist gut, aber ich muss immer noch schauen, unter den Top 35 im Olympic Qualification Ranking zu bleiben. Das Ziel ist erst einmal die sichere Qualifikation.

Hast du vor dem olympischen Testevent in Tokio Druck gespürt?

Der Druck vor solch einem Rennen ist höher, alle sind nervöser. Ich habe versucht, entspannt zu bleiben. Und das hat geklappt. Ich wusste, dass ich gut vorbereitet bin. Zwei Wochen vorher bei den Deutschen Meisterschaften war ich noch total müde von dem harten Training. Am Tag vor den Deutschen Meisterschaften habe ich sogar fast den kompletten Tag geschlafen, weil ich so müde war.

War das Training vor Tokio so hart?

Ja, wir sind zur Vorbereitung auf die Hitze zum Beispiel dreimal die Woche in einem Zelt auf dem Laufband gelaufen, dass bei meinem Trainer in der Garage stand und mit einer Heizung aufgewärmt wurde, um die Bedingungen zu simulieren. Darin konnte man kaum atmen. Das war super anstrengend. Eine halbe Stunde – und man war fix und fertig, während die Trainingskollegen, die schon vorher dran waren, draußen im Pool saßen. Aber es war super für die Anpassung an die schwierigen klimatischen Bedingungen in Tokio.

Denkt man da, was hat der Trainer denn da für eine Idee?

Für den Kopf ist es schon anstrengend, wenn man im heißen Zelt trainieren soll, anstatt draußen in der Sonne bei 25 Grad. Aber wenn man Ziele hat, macht man alles.

Du hast schon angedeutet, dass eine Podiumsplatzierung in einem Rennen der World Triathlon Series (WTS) dein Ziel für 2020 ist.

Ja, und bei Olympia will ich auch unter die ersten Drei. Viele sagen: Top 20 ist machbar. Andere sagen: Top 10. Ich sage: Top 3. Man muss sich große Ziele setzen.

Durch deine Erfolge in diesem Jahr war die öffentliche Aufmerksamkeit viel größer.

Das freut einen natürlich. Ich hatte einen großen Artikel in der Süddeutschen Zeitung, auf den mich viele Leute angesprochen haben. Und ich war zu Gast im NDR-Sportclub. Da war ich schon nervös. Live im Fernsehen, vorher in der Maske und diese ganzen Dinge. Das ist schon etwas anderes als ein Interview im Ziel nach einem Rennen. Das war schon eine große Nummer. Im Hinblick auf große Events, wie etwa Olympia, war es eine gute Erfahrung.

Und im Idealfall gibt es dann nach Tokio ganz viele Interviews mit dir?

Das ist das Ziel.

 

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