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Mittwoch, 05 Juni 2019

"Ich will bei Olympia um die Medaillen mitkämpfen"

Foto: Petko Beier

05.06.2019 08:29 von Thorsten Eisenhofer | Foto : Petko Beier
Jonas Schomburg überzeugt diese Saison durch konstant gute Leistungen in den Rennen der World Triathlon Series (WTS), zuletzt verpasste er die Top Ten in Yokohama (Japan) als Elfter nur ganz knapp. Wir haben mit Jonas im Interview über seinen Ruf als Weltentdecker, Französischlernen mit alten Schulbüchern und seine Olympiamedaillenträume gesprochen.

Jonas, du trainierst derzeit in der Nähe von Grenoble (Frankreich). Wie kam es dazu?

Léo Bergere, den ich schon lange kenne, hat mich im vergangenen Jahr beim Super-League-Rennen in Jersey gefragt, ob nicht mal mit ihm und seiner Trainingsgruppe trainieren will. Ich habe mir das mal angeschaut und es gefällt mir so gut, dass ich nun gleich ein Zimmer bis Oktober gemietet habe.

Das spricht dafür, dass es dir gut gefällt …

Die Qualität der Trainingsgruppe ist echt top mit Leuten wie Léo oder Dorian Coninx (Sieger des WTS-Rennens auf den Bermudas, Anmk. d. Red.). Wir verbringen viel Zeit miteinander, kochen zusammen. Die meisten der Jungs wohnen nur 200, 300 Meter von meinem Appartement entfernt.

Und wie sieht es mit deinen Französischkenntnissen aus?

Ich konnte kein Französisch. Die Jungs haben es mir beigebracht.

Neben dem Training?

Ja. Ich hatte Latein in der Schule. Mein Bruder hingegen Französisch. Ich habe seine Französischbücher aus Schulzeiten mitgebracht und wir haben jeden Tag 30 Minuten gelernt. Das macht nicht jeder, das ist echt nett von den Jungs.

Und wie gut ist dein Französisch nun?

Auf einer Skala von eins bis zehn würde ich mir eine sechs oder sieben geben. Mein Englisch ist noch deutlich besser, aber auch schlechter geworden, weil ich so viel Französisch spreche (lacht).

Du hast schon in Südafrika gelebt, nun verbringst du viel Zeit in Frankreich. Hinzu kommen die vielen Reisen. Siehst du dich als Weltenbummler?

Ich mag es, viel von der Welt zu sehen. Vergangenes Jahr hat jemand zu mir gesagt, ich sei der Athlet weltweit, der am meisten unterwegs war. Ich hatte so 80 bis 90 Flüge. Das macht man nur, wenn es auch Spaß macht. Mit Schlafen im Flugzeug sollte man zum Beispiel keine Probleme haben.

Du hast im Vergleich zur vergangenen Saison eine gute Entwicklung genommen, zuletzt Rang elf beim Rennen der World Triathlon Series (WTS) in Yokohama (Japan) belegt. Zuvor war es zweimal Platz 18 in WTS-Rennen. Warum läuft es so viel besser als 2018?

Die Saison 2018 war für mich mit einigen Problemen verbunden. Dieses Jahr gelingt es mir deutlich besser, meine Trainingsleistung im Wettkampf umzusetzen. Vielleicht bin ich dieses Jahr auch vom Kopf her freier.

Vor zwei, drei Jahren warst du in deiner Entwicklung schon mal ähnlich weit wie gerade, hast bei WTS-Rennen 2016 in Stockholm (Schweden) Rang sieben und 2017 in Leeds (Großbritannien) Platz 14 belegt. Warum ging es anschließend bergab?

Das sind oftmals Kleinigkeiten, die ausschlaggebend sind. Wenn man glücklich und zufrieden ist, bringt man die Leistung. Momentan bin ich glücklich und zufrieden mit den Bedingungen in Frankreich.

Was dieses Jahr auffällt: Du gehst die Rennen zum Teil sehr offensiv an. Beim WTS-Rennen auf den Bermudas hast du eine Soloflucht auf dem Rad eingefädelt. Was bringt diese Risikobereitschaft für deine Entwicklung?

Viele finden es gut, wie ich die Rennen gestaltet habe. Wenn man weiterkommen will, muss man auch mal etwas riskieren und vorne fahren. Das haben beispielsweise die Norweger im Vorjahr auf den Bermudas gezeigt (als es einen Dreifachsieg gab, Anm. d. Red.). Viele Athleten setzten sich beim Radfahren in der Gruppe hinten rein und warten nur auf das Laufen. Ob das immer die richtige Entscheidung ist, weiß ich nicht.

Vielleicht verlassen sie sich auf ihre Laufstärke. Laufen gehört bei dir hingegen noch nicht zu den großen Stärken.

Beim Laufen entscheiden sich die Rennen, klar. Ich habe hier schon deutliche Verbesserungen erzielt. Aber so etwas kommt eben nicht von heute auf morgen.

Bis wann willst du so weit sein, dass du in der absoluten Weltspitzen mithalten kannst?

Ich habe das Gefühl, dass ich bald so weit bin, bei großen Rennen ganz vorne mit dabei zu sein. Bis Olympia soll es so weit sein, da will ich in der Lage sein, um die Medaillen mitzukämpfen. Ich trainiere mit einigen der besten Athleten der Welt und sehe täglich im Training, dass nicht mehr viel fehlt. Im Training habe ich sie schon geschlagen. Das sollte im Wettkampf irgendwann auch möglich sein.

Halten dich deine Konkurrenten schon für einen Athleten der erweiterten Weltspitze?

Vielleicht unterschätzen sie mich noch, vor allem im Laufen, sagen, der Schomburg, der kann eh nicht laufen. Aber ich habe vergangenen Samstag in Yokohama gezeigt, dass ich laufen kann. Und die Rennen, die mir liegen, kommen erst noch: Leeds (Großbritannien), Montreal (Kanada), Lausanne (Schweiz).

 

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